Sechs "Stolpersteine" zum Gedenken an jüdische Opfer des Nationalsozialismus
09. November 2021

Seit heute, Dienstag, ist auch Wolfsberg Teil der Europa umspannenden Erinnerungskultur der „Stolpersteine“. Sechs dieser mit Namen beschrifteten Pflastersteine wurden vor dem Haus Wiener Straße 11 im Gehsteig angebracht – zum Gedenken an die beiden miteinander verwandten Familien Groß und Singer, die hier wohnhaft waren und in der Zeit des Nationalsozialismus ihr Eigentum verloren und flüchten mussten oder deportiert und in Ausschwitz ermordet wurden.

„Wir verneigen uns heute vor den Opfern des Nationalsozialismus in Wolfsberg“,  betonte Stadtrat Christian Stückler in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Hannes Primus im Beisein zahlreicher Gäste,  darunter Uri Ovseyevitz-Roth, Nachfahre der Familie Groß, der mit Ehefrau Tania aus Mexiko angereist war. Gemeinderat Harry Koller – Präsident der Landesgruppe Kärnten der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft, welche die Kosten für die Gedenksteine übernommen hat – zeichnete kurz die Lebensläufe der Opferfamilien mit dem 1885 geborenen „Stammvater“ Adolf Gross nach. Dieser war 1910 von  Ungarn nach Wolfsberg gekommen, wo er später ein Gemischtwarengeschäft eröffnete, ab 1930 im Haus mit der heutigen Adresse Wiener Straße Nr. 11.   

Stückler und Gemeinderat Harry Koller dankten Gemeinderätin Susanne Dohr von den Grünen, die 2019 den Antrag auf Verlegung der Stolpersteine gestellt hatten. Schon 20 Jahre zuvor war auf Initiative des damaligen Grünen Gemeinderates Ulrich Habsburg Lothringen eine Gedenktafel für die von den Nationalsozialisten vertriebenen und ermordeten Wolfsberger Juden in der Nähe des Rathauses angebracht worden.

Die Stolpersteine sind folgenden Personen gewidmet: Adolf Gross (geb. 1885, ermordet 1942 in Auschwitz), seiner Frau Emma Groß (ebenfalls in 1942 Auschwitz ermordet), deren Töchter Lotte Roth (vertrieben 1938, verstorben 1998) und Anny Junek (deportiert 1942, Bergen-Belsen überlebt und 2016 gestorben), sowie seiner Schwägerin Hermine Singer (vertrieben 1938, Flucht in den Tod 1944) und deren Sohn Hans Singer (vertrieben 1938, Flucht nach Palästina, überlebt).

Foto: Verlegung der Stolpersteine in der Wiener Straße, von links: GR Harry Koller, GRin Susanne Dohr, Stadtrat Christian Stückler sowie Uri Ovseyevitz-Roth mit Ehefrau Tania.